L i b e r e c - Unser Sportdirektor Jan Nezmat hat sich zu Umbaumaßnahmen am Stadion U Nisy, die Rolle der UEFA und die weiteren Spiele der Slovan-Frauen im Europapokal geäußert.
In dieser Woche fand im U Nisy ein Spiel im UEFA Women’s Europa Cup statt. Die Organisation hat gleichzeitig einige Defizite des Stadions im Hinblick auf die aktuellen Anforderungen der UEFA aufgezeigt. Was hat euch dieses Spiel gezeigt?
Zunächst einmal sind wir froh, dass es uns überhaupt gelungen ist, das Spiel in unserem Stadion auszutragen. In den letzten Tagen vor dem Spiel mussten wir einige Dinge klären, die sich aus den Anforderungen der UEFA ergeben haben. Es war keineswegs selbstverständlich, dass wir alles rechtzeitig schaffen würden. Letztendlich ist es uns mit vereinten Kräften gelungen – wenn auch mit Vorbehalten seitens der UEFA. Gleichzeitig hat uns das aber sehr konkret gezeigt, wo das U Nisy im Verhältnis zu den europäischen Standards heute steht.
Einige Anforderungen sind technischer oder organisatorischer Natur und können relativ schnell behoben werden. Andere bedeuten jedoch größere Eingriffe und Investitionen. Die UEFA-Regularien haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Ein Stadion, das über viele Jahre regelmäßig Europapokalspiele ausgetragen hat, entspricht heute in einigen Bereichen schlicht nicht mehr den aktuellen Anforderungen.
Slovan hat noch im Herbst 2020 Europapokalspiele direkt im U Nisy ausgetragen. Was hat sich seitdem verändert?
Man muss daran erinnern, dass die damalige Situation ziemlich speziell war. Einerseits galten einige andere Vorschriften als heute, andererseits wurde während der Corona-Pandemie ohne Zuschauer auf den Tribünen gespielt. Viele Anforderungen, die mit dem Komfort und der Sicherheit der Besucher, den Einrichtungen für die verschiedenen Gruppen oder der gesamten Organisation eines Spiels zusammenhängen, wurden damals unter völlig anderen Bedingungen behandelt.
Seitdem hat die UEFA ihre Anforderungen weiter verschärft. Dabei geht es nicht nur um das Spielfeld selbst oder die Qualität des Rasens. Ein Europapokalspiel stellt Anforderungen an die Infrastruktur des gesamten Stadions – an die Räumlichkeiten für Mannschaften und Schiedsrichter, die Medien, die TV-Produktion, die Sicherheit, den Komfort der Zuschauer, die verschiedenen Zugangsbereiche und viele weitere Bereiche. Gerade in dieser Woche konnten wir ganz praktisch feststellen, dass wir einige Dinge verändern müssten, wenn wir heute im U Nisy Europapokalspiele auf einem höheren Niveau austragen wollten.
Ich möchte daraus keine Katastrophenmeldung machen. Das U Nisy ist nach wie vor ein schönes Fußballstadion mit einer großartigen Atmosphäre und natürlich die Heimat von Slovan. Wir müssen uns aber eingestehen, dass es gleichzeitig ein Stadion ist, von dem große Teile bereits vor vielen Jahren entstanden sind. Der Fußball und die Anforderungen an die Infrastruktur haben sich inzwischen deutlich weiterentwickelt. Wenn wir wollen, dass hier in Zukunft wieder Europapokalspiele stattfinden, müssen wir darauf reagieren.
Bedeutet das, dass der Verein bereits jetzt mit Umbauarbeiten am Stadion beginnen wird?
Ja. Einige kleinere Dinge können wir relativ schnell lösen, und mit einem Teil davon wollen wir bereits während der bevorstehenden Länderspielpause beginnen. Die Erfahrungen aus dieser Woche haben uns eine ziemlich genaue Liste der Bereiche geliefert, mit denen wir uns beschäftigen müssen.
Gleichzeitig müssen wir aber zwischen normalen betrieblichen Anpassungen, die der Verein selbst umsetzen kann, und größeren Investitionen in die Infrastruktur unterscheiden. Die letzte größere Investition war der Austausch des Daches der Haupttribüne. Dieser hat allerdings leider die bisherigen Probleme mit dem beschatteten Teil des Spielfeldes nicht gelöst, weshalb wir mobile Rasenlampen anschaffen müssen. Außerdem dringt weiterhin Wasser in die Tribüne ein, was große Probleme mit der Elektroinstallation verursacht.
Das Stadion gehört der Stadt, und bei größeren Projekten kommen wir natürlich nicht ohne ihre Beteiligung aus. Ich denke, dass uns in relativ naher Zukunft eine Diskussion darüber bevorsteht, wie das U Nisy in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren aussehen soll und welche Rolle es nicht nur für Slovan, sondern für den Sport in Liberec insgesamt spielen soll.
Ist es deiner Meinung nach also notwendig, mit der Stadt eine umfassendere Diskussion über die Zukunft des Stadions zu beginnen?
Auf jeden Fall. Und ich meine das nicht als Kritik an der Stadt oder als Suche nach einem Schuldigen. Das Stadion wird seit vielen Jahren genutzt, die einzelnen Bereiche werden nach und nach älter, einige befinden sich bereits an der Grenze ihrer Lebensdauer. Gleichzeitig häufen sich akute bauliche Mängel, die den Trainings- und Spielbetrieb erschweren. Aktuell müssen wir gerade einen solchen Fall dringend lösen.
Gleichzeitig versuchen wir als Verein, uns in vielen Bereichen weiterzuentwickeln, und natürlich wäre es gut, wenn sich nach und nach auch das Umfeld, in dem wir spielen, entsprechend entwickeln würde. Einige Investitionen können schrittweise erfolgen, andere müssen relativ bald umgesetzt werden. Die Erfahrungen mit der UEFA haben uns in dieser Hinsicht ein sehr konkretes Feedback gegeben, und ich denke, es ist richtig, dieses als Impuls für eine Diskussion über die weitere Entwicklung des Stadions zu nutzen.
Wir müssen gemeinsam festlegen, was wir in Zukunft vom Stadion erwarten. Wenn es das Ziel von Slovan ist, wieder regelmäßig um die Teilnahme am Europapokal zu kämpfen, sollten wir auch ein Stadion haben, in dem wir diese Spiele austragen können. Die Vorstellung, dass wir uns sportlich für Europa qualifizieren und unsere Heimspiele anschließend Dutzende oder Hunderte Kilometer von Liberec entfernt austragen müssen, ist weder für den Verein noch für die Stadt oder unsere Fans gut.
Eine unmittelbare Folge betrifft leider bereits das nächste Europapokalspiel der Frauen. Wo wird dieses ausgetragen?
Das ist ein konkretes Beispiel dafür, dass es sich nicht nur um eine hypothetische Diskussion über die Zukunft handelt. Das Spiel der nächsten Runde des UEFA Women’s Europa Cup müssen wir in einem anderen Stadion in Tschechien austragen. Wir haben intensiv über mehrere Möglichkeiten verhandelt, um eine Variante zu finden, die sowohl organisatorisch als auch sportlich die beste für unsere Mannschaft ist. Letztendlich konnten wir uns mit dem Verein aus Ústí nad Labem darauf einigen, dass das Heimspiel gegen Rosenborg dort ausgetragen wird – am Mittwoch, 23. September, um 17:00 Uhr.
Das tut uns vor allem für die Fans leid. Ein Europapokalspiel sollte ein Fest sein, und natürlich wäre es uns am liebsten, wenn unsere Spielerinnen es zu Hause im U Nisy austragen könnten. Dieses Mal wird das nicht möglich sein, weil wir die verlängerte Länderspielpause nutzen müssen, um die dringendsten Reparaturen aufgrund akuter baulicher Mängel in den Funktionsbereichen des Stadions sowie notwendige Arbeiten am Spielfeld nach der Installation des Hybridrasens im Sommer durchzuführen. Gleichzeitig ist das aber ein weiteres klares Signal dafür, dass wir das Thema Zukunft des Stadions nicht endlos aufschieben können.
Das U Nisy ist die Heimat von Slovan, und wir wollen, dass es das auch für die größten Spiele bleibt. Wenn der Europapokal in den kommenden Jahren hierher zurückkehren soll, müssen wir gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen.