L i b e r e c - Es ist wieder Derbyzeit! Am Sonntag trifft Slovan Liberec im 68. Erstliga-Duell der beiden Rivalen auf den FK Jablonec. Für Trainer Branislav Fodrek und sein Team ist es das erste Derby gegen den Nachbarn. Anpfiff auf der Střelnice in Jablonec ist um 15:00 Uhr.
Zehn Punkte aus fünf Spielen
Der FK Jablonec hat bislang ein Ligaspiel weniger absolviert als Slovan. Aus fünf Partien holten die Grün-Weißen drei Siege, ein Unentschieden und mussten eine Niederlage hinnehmen. Die ersten Punktverluste gab es allerdings erst in den vergangenen beiden Spielen. Zunächst unterlag die Mannschaft von Ex-Slovan-Trainer Luboš Kozel auswärts Teplice mit 0:2, am Mittwoch folgte im Nachholspiel bei Bohemians Prag ein 1:1.
Dabei ging Jablonec kurz vor der Halbzeit in Führung. Nach einer Standardsituation blieb Verteidiger Martin Cedidla im Strafraum und erzielte per Kopf sein drittes Saisontor. In der 70. Minute entschied der VAR nach einem Handspiel von Lamin Jawo auf Elfmeter. Aleš Čermák verwandelte zum 1:1-Endstand. Damit steht Jablonec nach fünf Spielen bei zehn Punkten und einem Torverhältnis von 6:4 auf dem sechsten Tabellenplatz. Slovan hat drei Punkte mehr auf dem Konto, allerdings auch eine Partie mehr absolviert.
Rangers ausgeschaltet
Neben der Liga war Jablonec in den vergangenen Wochen auch international gefordert. Nach dem Ausschluss von Karviná aus den europäischen Wettbewerben rückte der Klub in die Qualifikation zur Conference League nach – und schaffte dort den Sprung in die Ligaphase.
In der zweiten Qualifikationsrunde setzte sich Jablonec gegen Varaždin durch. Anschließend gewann die Mannschaft beide Partien gegen RFS Riga mit 2:0 und 2:1. In der entscheidenden Qualifikationsrunde warteten die Glasgow Rangers. Das Hinspiel im Ibrox verlor Jablonec knapp mit 0:1. Im Rückspiel sorgte Čanturišvili in der 73. Minute für das 1:0 und damit für die Verlängerung. Schließlich fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen, in dem sich Jablonec durchsetzte und damit den Einzug in die Ligaphase der Conference League perfekt machte.
Die internationalen Spiele haben allerdings auch Spuren hinterlassen. Neben dem bereits länger verletzten Stürmer Kevin-Prince Milla fehlten zuletzt auch Mittelfeldspieler Sebastián Nebyla und Innenverteidiger Nemanja Tekijaški. Beide kamen zwar noch im Rückspiel gegen die Rangers zum Einsatz, standen gegen Teplice und Bohemians aber nicht zur Verfügung. Unter der Woche verstärkte sich Jablonec zudem noch einmal. Dominik Hollý kehrte auf Leihbasis von Sparta Prag zurück, auch der Australier Garang Kuol wechselte von Sparta nach Jablonec. Beide könnten im Derby bereits zum Einsatz kommen.
Slovan seit vier Ligaspielen ungeschlagen
Slovan geht mit einer starken Bilanz in das Derby. Die Mannschaft von Branislav Fodrek holte aus den ersten sechs Ligaspielen vier Siege und ein Unentschieden. Lediglich gegen Teplice musste sich Liberec geschlagen geben. Seitdem ist Slovan vier Ligaspiele in Folge ungeschlagen. Zuletzt gelangen sogar zwei Siege ohne Gegentor: In Zlín gewann Liberec mit 1:0, anschließend folgte im U Nisy ein 2:0 gegen Hradec Králové. Mit 13 Punkten liegt Slovan derzeit auf dem dritten Tabellenplatz hinter Slavia Prag und Zbrojovka Brno. Spitzenreiter Slavia hat lediglich einen Punkt mehr.
Gegen Hradec spielte Slovan bereits ab der sechsten Minute in Überzahl, nachdem František Čech den durchgebrochenen Hodouš als letzter Mann zu Fall gebracht hatte. Lange tat sich Liberec trotz des zusätzlichen Spielers schwer, die Überlegenheit in klare Torchancen umzumünzen. Kurz vor der Pause gelang dann doch die Führung. Nach einer clever ausgeführten Standardsituation von Vasil Kušej schloss Lukáš Mašek ab und traf in der 42. Minute durch die Beine des Torhüters zum 1:0. Für die Entscheidung sorgte Aziz Kayondo in der 90. Minute mit einem sehenswerten Distanzschuss zum 2:0.
Personalsorgen vor dem Derby
Nicht alle Spieler stehen Fodrek für das Derby zur Verfügung. In der Innenverteidigung fehlen weiterhin die verletzten Haris Berbić, Šimon Gabriel und Jan Knapík. Auch Jan Bořil wird aufgrund seiner Verletzung noch einige Zeit ausfallen.
Besonders bitter ist die Verletzung von Raimonds Krollis. Der Angreifer verletzte sich beim Auswärtsspiel in Zlín schwer und wird Slovan länger fehlen. Der Verein reagierte darauf mit der Verpflichtung des slowenischen Stürmers Enej Marsetič. Ob der Neuzugang bereits für das Derby zur Verfügung steht, entscheidet sich mit der Nominierung für die Partie.
Slovan führt im direkten Vergleich
Das Derby am Sonntag ist bereits das 68. Aufeinandertreffen der beiden Vereine in der höchsten tschechischen Spielklasse. In den bisherigen 67 Duellen hat Slovan die bessere Bilanz: 28 Spiele gewann Liberec, 21 endeten unentschieden und 18-mal setzte sich Jablonec durch. Insgesamt fielen in diesen Begegnungen 156 Tore, was einem Schnitt von rund 2,3 Treffern pro Spiel entspricht. Dass es im Derby traditionell intensiv zur Sache geht, zeigen auch die 280 Gelben Karten. Rote Karten gab es in den bisherigen Duellen dagegen lediglich acht.
In der vergangenen Saison trafen die beiden Rivalen gleich dreimal aufeinander. Das erste Derby im U Nisy entschied Jablonec mit 2:0 für sich. Čanturišvili und Jawo erzielten innerhalb kurzer Zeit die beiden Treffer. Beim nächsten Aufeinandertreffen gelang Slovan die Revanche. Diakité und Krollis brachten Liberec mit 2:0 in Führung, Jablonec kam durch einen von Chramosta verwandelten Elfmeter nur noch zum Anschlusstreffer. Im letzten Spiel der Meisterrunde, als die endgültigen Tabellenpositionen bereits feststanden, setzte sich wiederum Jablonec mit 2:1 durch. Die Partie wurde allerdings von einem frühen Platzverweis gegen Slovan-Innenverteidiger Rýzek beeinflusst.
Fodrek: „Wir wollen im Derby erfolgreich sein“
Für Branislav Fodrek ist das Duell mit Jablonec eine Premiere. Der Slowake übernahm Slovan erst im Sommer und erlebt nun erstmals die besondere Atmosphäre des Derbys. „In der Stadt und im Verein ist zu spüren, dass das Derby näher rückt. Ich weiß, dass viele unserer Fans die Reise nach Jablonec antreten werden. Für alle wird es ein prestigeträchtiges und wichtiges Spiel“, sagt Fodrek.
Der Trainer erwartet allerdings eine schwierige Aufgabe: „Jablonec hat die Ligaphase der Conference League erreicht und verfügt über eine hervorragende Mannschaft. Dazu spielen sie im eigenen Stadion und werden ein unangenehmer Gegner sein. Wir wollen im Derby aber erfolgreich sein, auch wenn wir wissen, dass uns dort nichts Einfaches erwartet.“
Gästebereich ausverkauft
Das Interesse am 68. Derby ist groß. Die für Slovan-Fans zur Verfügung gestellten 839 Tickets für die Südtribüne sind bereits ausverkauft. Auch der Gastgeber meldete das Spiel inzwischen als ausverkauft. Wer eine Eintrittskarte für eine der drei geöffneten Tribünen besitzt, sollte laut Slovan auch mit Fanutensilien des Vereins Zutritt erhalten.
Für die gemeinsame Anreise treffen sich die Slovan-Fans am Sonntag um 12:30 Uhr vor dem Rathaus in Liberec. Von dort geht es gemeinsam nach Jablonec. Das Motto für den Derbytag lautet: Alle in Weiß! Auch die Mannschaft von Slovan wird in weißen Trikots auflaufen. Anpfiff des 68. Derbys zwischen FK Jablonec und Slovan Liberec ist am Sonntag um 15:00 Uhr neben dem Jablonecer Kaufland.